Donnerstag, 5. Oktober 2017

[Rezension] Stillgelegt

Stillgelegt
100 verlassene Orte in Deutschland und Europa
Autoren: Thomas Kemnitz, Robert Conrad, Michael Täger
ISBN-10: 3770188888
Veröffentlicht: 5/2017
 Seiten: 224

 
Ein Buch mit Zeitspuren der ganz anderen Art. 

100 Überreste vergangener Jahre in 5 Kapitel eingeteilt. 
Produzieren, Leben, Bilden,Transportieren und Schützen.

Unter "Produzieren" findet man alte Industriebauten und Fabrikarchitektur.
Alte Kraftwerke wie z.B. in Budapest und Dresden, Sprengstoffwerke in Polen oder einen Rüstungsbunker in Bayern.
Unter "Leben" kann man ein alles Freizeitgelände sehen, die Sportstätten der Olympischen Winterspiele 1984 in Sarajevo oder das Olympische Dorf von 1936 im Elstal.

Hier sieht man zwei Kinderheime in Italien.
Das untere Kinderheim wurde von Mussolini persönlich eingeweiht. Bauherr und Betreiber war eine faschistische Jugendorganisation. Die Aufgabe war nicht nur, "die körperliche Ertüchtigung der Kinder voranzutreiben, sondern diese auch paramilitärisch zu schulen."

Nicht weniger interessant ist das Kapitel "Bilden", mit Denkmälern, die seit dem Ende der Sowjetunion leer stehen, Bezirksparteischulen der ehemaligen DDR, eine Großraumdisko, eine Konzerthalle mit Blick auf das Mittelmeer oder der Staatszirkus in Moldawien.

Unter "Transportieren" gibt es Bilder stillgelegter Bahnhöfe und Eisenbahnausbesserungswerke, eine gesprengte Brücke, eine alte Schnellstraße von Berlin nach Brandenburg, die sich die Natur langsam zurück erobert.

Reste aus dem 2. Weltkrieg und dem Kalten Krieg danach. So findet man in dem Kapitel "Schützen" den Regierungsbunker der BRD oder den Ort, wo die NSA die Staaten des Warschauer Paktes ausspioniert hat. Orte, wo Nuklearwaffen gelagert wurden. Aber auch eine Justizvollzugsanstalt oder Kasernen.

Am Ende jedes Kapitels gibt es Informationen zu den einzelnen Bildern und Gebäuden.


Ich liebe es ja, den Hauch der Geschichte zu riechen. Die Wissen, irgendwo tobte einmal das Leben und nun liegt der Ort brach, ist auch das Wissen um unsere Vergänglichkeit. Das ist manchmal traurig und manchmal gut. 
Gut, wenn man weiß, die ganzen Kasernen, Bunker und Kriegsgebäude werden heute nicht mehr gebraucht. Traurig, wenn ich mir das Bild anschaue:
Ein Kindergarten in Prypjat, der Ukraine. 

"Am 04.Februar 1970 als Vorzeige-Neubaustadt der sozialistischen Moderne gegründet, diente Prypjat als Wohnort für die Arbeiter des nahe gelegenen Kernkraftwerks Tschernobyl und deren Familien, insgesamt 49.360 Menschen."
Pryjat ist bis heute unbewohnbar.

Ein Buch, das einen zum Nachdenken bringt. Welche Menschen waren damals an diesem Ort und wo sind diese Menschen heute? Wie geht es ihnen? 

Die Informationen runden die Geschichte, die die Bilder erzählen, gelungen ab.
Das Papier und die Bilder sind hochwertig.

Von mir gibt es die Bestnote.
5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Kommentare:

  1. Nun habe ich aber einen Schrecken bekommen, liebe Lilly. In meiner Blogroll-Liste ist nur "Stillgelegt" zu lesen, und ich dachte schon, das bezieht sich auf Deinen Blog. Puhhh, zum Glück nicht.

    Ein interessantes Buch hast Du hier vorgestellt. Wir haben früher immer gesagt: Wenn ein Haus leersteht, dann stirbt es. Und es scheint tatsächlich so zu sein.
    Liebe Grüße, Anne

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anne,

      ach Du Schreck!
      Ich hatte mir zwar überlegt, welche Bücher Ihr Euch wohl unter Stillgelegt vorstellen werdet, wenn Ihr es im Blogroll seht, aber dass bei Dir das [Rezension] nicht angezeigt wird. Du Amre! Nein, nein, ich habe nicht vor, so schnell aufzuhören. Ich muss sagen, ich bin schon eine Weile nicht mehr so gestreßt vom Bloggen, wie ich das am Anfang mal war. Aber ich mach mir auch nicht mehr den Druck, auf allen Hochzeiten tanzen zu müssen, wenn Du verstehst, was ich meine.Und manchmal muss eine Antwort eben auch ein bisschen warten.

      Ich finde ja immer, dass ein Haus, ein Ort durch seine Geschichte weiterlebt, auch wenn es leer steht. Aber ich glaube, ich ahne was Du meinst.

      Liebe Grüße
      Lilly

      Löschen
  2. Huhu Lilly,

    so ein ähnliches Buch wollte ich mir auch schon mal kaufen, liegt seitdem aber auf der WuLi. XD
    Ich finde sowas auch immer interessant. Es ist schade, dass die Gebäude leer stehen und verfallen. Besonders mit dem Gedanken, dass dort einmal Menschen gelebt haben. Irgendwie finde ich, dass solche Gebäude immer sehr deprimierend aussehen.

    LG Alica

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Alica,

      mich deprimieren besonders so Sachen wie Prypjat.
      Gebäude wie Rüstungsbunker finde ich geschichtlich gesehen sehr interessant und ein bisschen gruselig. ^^

      Liebe Grüße
      Lilly

      Löschen

Ich freue mich total, wenn Ihr mir ein Kommi da lasst und mir sagt, was Ihr über den Beitrag denkt. ♥ Ich antworte entweder hier oder bei Euch.
Liebste Grüße
Lilly